Edith Kowalewski

Kundenberaterin in der Filiale Scharnhorst

Wer Edith Kowalewski im Umgang mit Kunden erlebt, der spürt sofort, mit wie viel Herzblut die gebürtige Dortmunderin und große Tierfreundin bei der Sache ist. Sie nimmt sich Zeit und geht auf die Bedürfnisse ihrer Gesprächspartner ein. Seit 37 Jahren arbeitet sie für die Dortmunder Volksbank, seit 10 Jahren in der Scharnhorster Filiale. In 18 Monaten geht sie in die passive Altersteilzeit.

Freuen Sie sich schon auf die Zeit nach dem Arbeitsleben?

Edith Kowalewski

Natürlich werde ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen, weil mir die Arbeit unheimlich viel Spaß macht. Aber die Kollegen werde ich sowieso nicht los und sie mich auch nicht (lacht!). Zu meinem 60. Geburtstag habe ich alle zu mir nach Hause zum Reibekuchenessen eingeladen. Da haben sie mir schon angekündigt, dass mir das dann 1 x monatlich blüht, wenn ich aufhöre zu arbeiten. Das werde ich natürlich machen, sodass sie immer zu mir zum Reibekuchenessen kommen. Aber ich freue mich auch darauf, dass ich dann mehr Zeit in den von mir mit gegründeten Verein „Glück für Pfoten e.V.“ investieren kann, der ein Tierheim in Ungarn unterstützt. Der liegt mir sehr am Herzen. Und ich kann und werde dann noch mehr Zeit mit meinen zwei Katzen und meinem Mischlingshund Max verbringen, den ich aus Polen adoptiert habe. Wenn ich sie abends mal allein lassen muss, überwache ich sie mit meiner Kamera.

Welche Erlebnisse aus den letzten 37 Jahren bei der Volksbank sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Lustig ist natürlich die Tatsache, dass ich 1992, als ich noch in der Filiale in Holzen gearbeitet habe, das erste Sparbuch für Mike Garrecht eröffnet habe. Der war zu dem Zeitpunkt 10 Jahre alt. Heute ist er Fililalleiter in Scharnhorst und mein Chef. Am meisten berührt haben mich immer die kleinen Momente. Die, in denen gerade die Menschen, die nicht so viel Geld haben, auf einmal mit einem Kuchen vor mir standen oder selbst gemachten Keksen, obwohl sie selbst kaum etwas zum Leben haben. Das zeigt mir, dass ich hier am richtigen Platz bin. In meinem Auto hängt ein Talisman, den mir eine Kundin geschenkt hat für meinen weiteren Lebensweg, als sie aus Scharnhorst weggezogen ist. Natürlich gibt es auch die nicht so schönen Momente. In der Filiale in Holzen habe ich einen Banküberfall miterlebt. Wir waren zu viert in der Bank, als ich auf einmal in einen Pistolenlauf schaute. Der Täter erbeutete eine höhere Summe. Später wurde er anhand eines Phantombildes, das nach unseren Angaben erstellt wurde, gefasst. Er hat uns mit Handschellen an ein Gitter gekettet, wo wir einige Zeit ausharren mussten. Das vergisst man natürlich nicht so schnell. Ich habe in dem Moment wie eine Maschine funktioniert, erst viel später habe ich realisiert, was wirklich geschehen ist.

Was hat sich in den 37 Jahren an der Art der Arbeit verändert?

Es ist schon so, dass durch die ganzen elektronischen Neuerungen weniger Kunden in die Filiale kommen, aber es gibt immer noch viele, denen der persönliche Kontakt wichtig ist. Gerade die älteren Menschen. Man vergisst ja viel zu oft, dass man selbst auch irgendwann alt wird. Deshalb bin ich mir auch nicht zu schade, mal das Knöpfchen am Automaten zu drücken oder eine Überweisung auszufüllen, wenn jemand damit Probleme hat. Ich erinnere mich auch, dass wir damals Buchungsmaschinen hatten, die einen Höllenlärm gemacht haben. Man musste erst das Papier reindrehen, Knöpfe drücken und draufhauen, damit Sachen gebucht wurden. Allerdings hatte man da auch noch die Möglichkeit, ein Sparbuch schnell wieder rauszuziehen, wenn man sich vertippt hatte. Das geht heute nicht mehr. Um Buchungen zu überprüfen mussten wir mit Microfiches arbeiten oder sogar in den Keller gehen, um in der Primanota (früher das Hauptbuch in der Buchhaltung einer Bank) nachzuschauen. Das ist natürlich jetzt alles sehr viel einfacher. Allerdings war es vor 30 Jahren so, dass jemand in 20 Minuten ein Konto eröffnen konnte. Das dauert heute deutlich länger, weil der Computer so viele Dinge abfragt. Werden die nicht ordnungsgemäß beantwortet, ist eine Eröffnung gar nicht möglich. Ich erinnere mich auch noch an unsere ersten Computer in der Bank. Das waren so kleine grüne Dinger mit grünem Bildschirm. Davor haben wir alle Formulare per Hand oder mit der Schreibmaschine ausgefüllt. Das ist jetzt auch erheblich einfacher. Die Kommunikation ist effektiver und schneller. Ich bin mir sicher, dass die Kollegen in zehn Jahren über die heutige Technik schon wieder als veraltet sprechen werden. Aber all das erfahre ich dann bestimmt beim gemeinsamen Reibekuchenessen.

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